Mit der konkreten Gründung eines Männergesangvereins (MGV) dauerte es noch bis zum November 1959. Ernst Haseneder als Chorleiter und Ernst Iser, Hauptlehrer in Irlbach, der sich als Vorstand zur Verfügung stellte, hatten mit einem Gründungsausschuss die Vorbereitungen getroffen. Sie hatten den Vereinsnamen „Sangesfreude“ festgelegt und den MGV Regensburg-Reinhausen 1886 um Übernahme der Patenschaft gebeten. Dieser sagte am 9.Dezember zu, wobei die Besprechungstermine zwischen Reinhausener und Wenzenbacher Abordnungen so gelegt wurden, dass das „Falkensteiner Bockerl“ für Hin- und Rückfahrten genutzt werden konnte.

 

Am 13.Dezember 1959 fand im Gasthaus Hans Schleinkofer die Gründungsversammlung statt. Deren Beginn wird im Protokoll wie folgt beschrieben:

 

„Der Leiter des Gründungsausschusses, Hauptlehrer Ernst Iser aus Irlbach, begrüßte die Versammelten. Es waren Abordnungen vom Patenverein Regensburg-Reinhausen, vom MGV Hackenberg, viele Vereinsvorstände und Kreisrat Boneder aus Fußenberg anwesend. Grußbotschaften zum Gelingen dieses Werkes übermittelten Landrat MdL Deininger und Graf Hubert von Walderdorff. Grüße ließen übermitteln H.H. Geistl.Rat Pfarrer Brumbach aus Wenzenbach und H.H.Pfarrer Max Eckl aus Irlbach. Mit einem Geldgeschenk und Glückwünschen überraschte der Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, Herr Schlichtinger.“

 

Gleich 30 aktive und 10 fördernde Mitglieder erklärten ihren Beitritt, dem Protokolleintrag entsprechend als aktive Sänger aus Wenzenbach Johann Bauer sen., Johann Bauer jun., Albert Bauer, Emil Blobner, Alois Dirnberger, Josef Dirnberger, Anton Eindorfer, Ernst Haseneder, Michael Herrmann, Josef Huber, Armin Lurtsch, Albert Mann, Willi Mann, Hermann Labermeier sen., Hermann Labermeier jun., Walter Labermeier, Hans Berger, Konrad Hess, Max Meier, Karl Zweckerl, Georg Hendlmeier, Hans Zänkl, aus Fußenberg Hans Boneder jun., Franz Fuchs, Alois Schmid, Karl Tausendpfund, aus Irlbach Ernst Iser und Franz Koller, aus Thanhausen Hans Schiekofer und aus Probstberg Hans Renner, sowie als fördernde Mitglieder Josef Gradl, Alois Schmalzl, Franz Pfab, Albert Schmidbauer sen., Josef Stöberl und Gustav Norgall aus Wenzenbach, Max Detterbeck und Johann Boneder aus Fußenberg, Franz Huber aus Roith (Waldheim) und Karl Graßmann aus Regensburg.

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Ernst Iser (links), Ernst Haseneder (Mitte)

 

Die Vorstandswahlen brachten folgendes Ergebnis:

1. Vorsitzender Ernst Iser
2. Vorsitzender Hans Zänkl

1. Schriftführer Walter Labermeier
2. Schriftführer Ernst Haseneder

1. Kassier Emil Blobner
2. Kassier Albert Bauer

Chorleiter Ernst Haseneder
Notenwarte Anton Eindorfer und Josef Dirnberger

 

„Liederkostproben von Reinhausen, Hackenberg, Wenzenbach und besonders der Familie Labermeier (Terzett und Quartett) beschlossen die Gründung des MGV Sangesfreude Wenzenbach“, so endet das Gründungsprotokoll vom 13.Dezember 1959.Chorleiter Haseneder beeilte sich, dem neuen Chor eine musikalische Visitenkarte zu verschaffen. Er textete und komponierte den MGV-Sängerspruch, der am 10.Februar 1960 offiziell eingeführt wurde und der noch heute den Abschluss jeder Chorprobe bildet:

Ein Lied, ein Wort, der Sang ein Hort,

voll Kraft die Brust, die Kehl voll Lust.

Mit hellem Klang jed Wort und Sang.

Den Gruß entbeut die Sangesfreud`!

 

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Schon im ersten Jahr seines Bestehens hatte der Chor viele Termine zu bestreiten. Es gab Sängertreffen mit Reinhausen, Hackenberg und Sallern sowie die Teilnahme am Chorfest des BSB in Burglengenfeld - der MGV war dem Bayerischen Sängerbund (BSB), dem Deutschen Sängerbund (DSB) und dem Oberpfälzer Sängerkreis (OSK), heute VOC (Verband Oberpfälzer Chöre), beigetreten. Von Beginn an stand auch die Mitwirkung an zwei Volkstrauertagen auf dem Programm: Weil viele Mitglieder in den damals noch eigenständigen Gemeinden Grünthal und Hauzenstein wohnten und damit zur Pfarrei Irlbach gehörten, hatten Ernst Iser und Pfarrer Eckl auf die Teilnahme des MGV auch in Irlbach gedrängt. Deshalb wird seit 1959 in Irlbach der Volkstrauertag eine Woche vor dem offiziellen Termin begangen, und der Männerchor kann sowohl in Irlbach als auch in Wenzenbach präsent sein.

 

Von Anfang an kamen auch gesellige Veranstaltungen nicht zu kurz. Bei runden Geburtstagen, Silberner und Goldener Hochzeit usw. kam der Chor zu den Mitgliedern und brachte ihnen ein Ständchen. Dies geschah nicht immer zur Freude der Betroffenen. Deshalb wurde diese Art von Glückwünschen zwischenzeitlich eingestellt. Chor oder Vereinsabordnung werden jetzt nur auf Einladung aktiv. Als angenehm erweisen sich die Feiern im Rahmen der wöchentlichen Chorprobe.

 

Auch die Sängerbälle machten einen großen Wandel durch. Zunächst gab es im Saal des Gasthauses Adam Schleinkofer (heute steht dort die Sparkasse) rauschende Feste mit Prinzenpaar, Festausschuss usw. Als der Sängerball an Attraktivität verlor, wurde der OGV als Partner gewonnen. Im Liebl-Saal wurden mit sehr großem Erfolg viele MGV-OGV-Faschingsbälle veranstaltet. Wie bei anderen Ortsvereinen nahm das Interesse mehr und mehr ab, und im Jahre 1999 fand letztmals ein MGV-OGV-Faschingsball statt.

 

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Maisingen in Irlbach 1961

 

1960 standen schon 31 Proben und 15 andere Termine auf dem Programm des Chores. Zwischenzeitlich haben sich diese Zahlen beachtlich erhöht auf durchschnittlich 40 Proben und 25 anderweitige Termine pro Jahr.

 

mgv_chronik_5 Auch die Mitgliederzahl ist ständig angestiegen. 1961 wurden 36 aktive und 20 fördernde Mitglieder geführt.

 

1965 ist ein außergewöhnlich hoher Bestand von 51 aktiven Sängern verzeichnet. In den Unterlagen wird aber vermerkt, dass nicht alle „wirklich aktive Sänger“ seien. 1966 waren es insgesamt 132 Mitglieder, wobei nach Gemeinden unterschieden wurde: 75 wohnten in der Gemeinde Wenzenbach, 57 in den Gemeinden Grünthal und Hauzenstein. Für die aktiven Sänger aus Grünthal und Irlbach gab es damals einen so genannten Lotsendienst, nämlich ein Traktorgespann von Franz Koller für die Hin- und Rückfahrt bei den Proben.

 

Eine schwierige Zeit erlebte der MGV, als Ernst Hasender aus gesundheitlichen Gründen von Mitte 1966 bis Ende 1967 den Chor nicht leiten konnte. Die Zahl der Sänger schrumpfte beträchtlich. Es kam zu Querelen hinsichtlich der Probengestaltung, der Liedauswahl und der Frage, welche Auftritte wahr genommen werden sollten. Franz Koller hielt die Probentätigkeit aufrecht, auch wenn manchmal nur 13-15 Sänger anwesend waren. Er stellte – ab Mitte 1967 unterstützt von Edgar Haseneder - die Kontinuität sicher, und hätte er sich nicht so stark engagiert, gäbe es heute wahrscheinlich keinen MGV „Sangesfreude“ mehr.

Sängerball 1962

Mit der Rückkehr Ernst Haseneders entspannte sich die Lage im musikalischen Bereich. Fast gleichzeitig ging ein Wechsel in der Vereinsführung reibungslos vonstatten. Am 10.Dezember 1967 wurde der bisherige Schriftführer Alois Schafberger zum 1.Vorsitzenden gewählt, weil Ernst Iser nach 8 Jahren Vorstandstätigkeit aus beruflichen Gründen – er war versetzt worden – sein Amt aufgegeben hatte.

 

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Kreiswertungssingen in Neutraubling 1965


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Chorausflug 1961 nach Waldthurn, einer früheren Wirkungsstätte von Ernst Iser

 

Der Männerchor stabilisierte sich. Freilich mahnten sowohl Vorstand als auch Chorleiter immer wieder einen besseren Probenbesuch an, der sich bei durchschnittlich 20 Sängern einpendelte. In diesem Zusammenhang kam es auch zu Diskussionen um einen gemischten Chor, aber stets mit negativem Ergebnis. So nahm beispielsweise die Hauptversammlung im Januar 1971 eindeutig Stellung gegen die Gründung eines gemischten Chores, in den der Männerchor hätte aufgehen sollen.

 

Im November 1969 wurde im Schleinkofer-Saal das 10jährige Bestehen mit einem Singen gefeiert, an dem der Patenverein Reinhausen und einige Nachbarchöre mitwirkten.

 

1970 wurde die Chorprobe von Mittwoch auf Donnerstag gelegt, und am 19. Dezember 1970 wurde, einem Beispiel des Patenvereins folgend, erstmals eine Waldweihnacht veranstaltet. Der Ort, das Waldheim in Wenzenbach/Am Tradl, konnte noch zu Fuß erreicht werden. In der Folgezeit gelangten die Sänger mit dem Bus zu den geheim gehaltenen, nur dem Organisationsausschuss bekannten Veranstaltungsorten im engeren und weiteren Umkreis von Wenzenbach. Bis 1988 war die Waldweihnacht den Sängern vorbehalten. Dann wurden die Damen zunächst sporadisch, seit 1996 jedoch in jedem Jahr eingeladen. Die Waldweihnacht ist längst zur Tradition geworden. Beginnend mit einem Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche Wenzenbach ist sie als besinnlich-geselliger Abschluss eines jeden Sängerjahres ein Höhepunkt im Vereinsleben.

 

Zum 20jährigen Vereinsbestehen fand im November 1979 ein Ehrenabend statt. Es war die letzte öffentliche Veranstaltung von Alois Schafberger als Vereinsvorsitzender. Am 9.März 1980 übergab er das Amt an Dr.Rudolf Ebneth.

 

Chronik:

Gründung und Aufbaujahre

Kontake in die USA

Der Männgergesangverein wird zum Musik- und Gesangverein

Das Haus der Musik

Der MGV Heute

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